Vereinsgeschichte

 

Chronik zum Boothaus Nonnenstraße 23

 -       am 28.06.1883 wurde der Ruderverein „Sturmvogel“ gegründet

-       Gründungsmitglieder waren Karl Heine, Erich Neudeck und Karl Naumann  

-       am 05.09.1884 wurde vom damaligen 1. Vorsitzenden Gustav Hennigke ein Gesuch an die königliche Amtshauptmannschaft Leipzig zum Bau eines Bootshauses gestellt, welches auf einem Grundstück Karl Heines entstehen sollte, der ein großer Gönner dieses Sportes war

       

                       Karl-Heine-Kanal um 1895

-       die Vorstellungen waren:

·         „der Schuppen für die Boote soll aus einem großen hohlen von massiven Umfassungswänden, aus Backsteinen hergestelltem Raume bestehen“

·         „das Holzzementdacht soll tiefer liegen als die Einfriedungsmauer und von der Straße aus nicht sichtbar sein“

·         „ein kleiner Backsteinturm dient der Zierde und wird

vom Inneren des Raumes aus nur für die Bootsfahrer durch eine Leiter zugängig gemacht“

·         „ein 18 m hoher Fahnenmast, rechts und links an den Zinnen des Turmes verankert, wird von der Vereinsfahne geschmückt“

 

-       dem Gesuch wurde eine besondere Dringlichkeit verliehen, damit die Boote vor Einbruch des Winters untergebracht werden konnten

-        am 26.09.1884 wurde die Baugenehmigung erteilt

 

Die Bootshalle:                                               Der Turm:

Größe: 14,75 m x 6,00 m                              Größe: 4,00 m x 4,00 m
Höhe 4,80 m                                             Höhe: 13,40m

 

-       am 14.05.1885 fand die feierliche Weihe statt

-       alle Kosten des Baus wurden von Dr. Karl Heine privat übernommen

-       am 26.08.1885 stattete der spätere König Friedrich August mit seinen Brüdern dem Bootshaus und dem ansässigen „Sturmvögeln“ einen Besuch ab, was eine besondere Ehre zur damaligen Zeit darstellte

-       1886 wurden erstmalig Anbaugedanken zum Bootshaus laut, die Genehmigung gab es bereits im April 1888 und der erste Anbau wurde am 28.07.1888 fertig gestellt

-       schließlich führte das ständige Wachstum der Mitgliederzahlen (1885= 30 Mitglieder; 1902= 104 Mitglieder) dazu, dass das Bootshaus den Bedürfnissen des Vereins nicht mehr gerecht wurde

-       deshalb wurde 1898 ein Ausschuss zum Erwerb von Baugrund gebildet

-       erst 1903 wurde dem Verein ein neuer Bootshausbauplatz als Pachtgrundstück zugewiesen

-       neuer Eigentümer des Bootshauses in der Nonnenstraße wurde der akademische Ruderverein „Markomannia“ (gegründet 1904) und der 1903 gegründete Thomaner-Ruder-Verein

 

Mitbegründer Karl - Heine
Thomaner - Ruder - Verein um 1903

 

-       auch „Markomannia“ wurde das Bootshaus allmählich zu klein, deshalb wurde am 06.10.1930 ein Antrag zur Genehmigung für die „Herstellung eines als Flügelbau anzusehenden eingeschossigen Anbaues an das bestehende Gebäude“ bei der Baupolizeibehörde gestellt

-       die Ausnahmegenehmigung wurde am 20. Oktober 1930 erteilt

(Es handelte sich um eine Ausnahme, da der “Abstand der mit Fenstern versehenen Längsseite des Flügelbaus von der Nachbargrenze nicht der Höhe der Flügel gleichkommt“)

-       die Fertigstellung der baulichen Maßnahmen konnte dem Tiefbauamt am 02.12. 1930 mitgeteilt werden

-       wenige Jahre später, am 25.10. 1933, bat „Markomannia“ erneut um eine Baugenehmigung:

 

·         durch eine Aufstockung der Bootshalle sollen ein Aufenthaltsraum für ca. 15 Personen und fünf Schlafräume für insgesamt 10 Personen entstehen

·         um einen besseren Wärmedämmung zu erzielen, soll eine bestimmte Gesteinsschicht zum Einsatz kommen

·         eine Isolierung aus Heraklithplatten ist für die Dachfläche vorgesehen, außerdem soll die Straßenansicht architektonisch bereinigt werden

 

-       die Genehmigung zum Baubeginn erfolgte am 25.01.1934

-       am 16.02.1934 wurde der Rohbau des geplanten Clubhauses fertiggestellt

-       die Schlussprüfung erfolgte jedoch erst am 18.12.1935

-       bis 1945 nutzte „Markomannia“ das Bootshaus, welches den 2. Weltkrieg mit nur leichten Schäden überstand

-       nach dem Krieg zogen Kanuten in das Bootshaus ein

-       es war bis 1990 die Heimatstätte der Sektion Kanuslalom der „BSG Stahl Südwest“

-       Ende des Jahres 1993 zog der Kanu- und Freizeitverein Südwest in das Bootshaus Nonnenstraße ein

-       Anfang 1994 begann die mehrjährige Sanierung des über 100 Jahre alten Bootshauses durch den Verein

-       im Februar 1996 erhielt der Verein den endgültigen Pachtvertrag

-       seit  2005  sind im Inneren des Bootshauses intensive Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im Gange die zum großen Teil von den Vereinsmitgliedern getätigt werden

 

 


Quelle: Sportmuseum Leipzig

           Stadtgeschichtliches Museum

           

Bericht eines Zeitzeugens

 

von Dieter Wuckel (87 Jahre)

 

"...Zunächst sollte in der chronologischen Zusammenstellung nicht fehlen,

 dass zunächst – zu mindestens bis Ende der 50er Jahre – Träger des

 Kanusports im Bootshaus Nonne die BSG Empor-Mitte-Leipzig war. Unser

 Chef war über Jahre Werner Scheps. Er war ein gelernter Schneider und

 in der Nachkriegszeit zugleich Schatzmeister des

 DDR-Kanusportverbandes.. Leider hat er im Bootshaus eine folgenschwere

 „Tat“ begangen. Er war Sportlehrer geworden und hörte mit einigen

 Kollegen die Sport-Schulfunksendung des RIAS. Daraufhin wurde er

 verhaftet und zu einigen Monaten Gefängnis verurteilt.

 

 Durch den Berufsschullehrer Kapust kamen auch einige Klempnerlehrlinge

 zur Nonne. Dadurch wurden in Eigenleistung Umbauten vorgenommen, z. B.

 die Dusche u.a.

 

 Start zu Wettkämpfen war meist abenteuerlich nach heutigen Begriffen.

 Wir hatten einen guten Draht zu Herbert Großmann, der damals noch als

 freiberuflicher Spediteur arbeiten durfte. Auf  der Pritsche seines

 Oldtimer-Lastwagens wurden rechts und links längs Bänke gestellt, auf

 denen wir saßen. Dazwischen lagen die Stabtaschen und die Rucksäcke.

 Die tollste Fahrt war Mitte der 50er Jahre bis nach Kassel zu dem

 Meisterschaften des Gaus Mittel-Rhein. Da durften wir das einzige Mal

 die innerdeutsche Grenze überschreiten. Das war ein tolles Erlebnis.

 

 Auch machten wir nicht nur Wettkämpfe, sondern viele Wanderfahrten.

 Natürlich nur nach unseren damaligen Möglichkeiten: d.h. Anpaddeln

 Ostern im Spreewald, und Brandenburger und Mecklenburger Seenplatte

 als Ferienziel.  An  die Ostsee ging es nicht mehr. Das war nur in den 40er    

 Jahren noch möglich.

 Ab den 50ern verboten. An Fahrten außerhalb der DDR (z. B. Masuren)

 war damals überhaupt nicht zu denken. Trotzdem haben wir in unseren

 jungen Jahren schöne Zeiten mit dem Faltboot und den ersten

 Eigenbau-Kunstsoff-Booten erlebt..."